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15.3.1997

Nehmt es wahr, nehmt wenigstens ihr es wahr...

...was von Eueren Vorfahren meistens verdrängt, auch diskriminiert und verleugnet wurde:

Das Bedeutsamste und Kostbarste aus deutscher Geschichte ist und bleibt der antifaschistische Widerstand.

 

Zumeist waren es einfache Frauen und Männer, vorwiegend aus der Arbeiterbewegung, in der Mehrzahl Jugendliche, die gegen Hitler und den Krieg kämpften. Nicht erst, als offenkundig wurde, daß Hitler den Krieg verliert, sondern von 1933 an! Den Krieg wollten sie verhindern, den jüdischen Menschen, den Völkern Europas und dem eigenen Volk das unermeßliche Leid ersparen, das der Nazifaschismus letztlich über sie brachte. Dafür riskierten sie alles, ihre Existenz, ihre Freiheit und ihr Leben, nahmen Konzentrationslager und Folter in Kauf. Vergeßt deshalb nie! Ihnen ist es zu verdanken, daß der Name unseres Landes nicht ausschließlich mit Schande und Ehrlosigkeit besudelt wurde.

Wir, die Überlebenden, haben vor 50 Jahren die »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes«, die VVN gegründet. Unterschiedlich in unseren politischen und weltanschaulichen Auffassungen, sowie in unserer sozialen Herkunft, waren wir gemeinsam im Widerstand und verfolgt. So haben wir auch gemeinsam die VVN gegründet, Kommunisten, Sozialdemokraten, Liberale, Juden und Christen. Wir haben überlebt mit einem einzigen Gedanken: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Es galt das Vermächtnis der Millionen Toten der faschistischen Massenvernichtung zu bewahren, die die Befreiung am 8.Mai nicht erleben konnten.

Der Nazihölle entronnen, dem sogenannten »Tausendjährigen Reich«, das für uns tatsächlich wie tausend Jahre war, jede Stunde, jeden Tag den Tod vor den Augen. Diese entsetzliche Zeit hinter uns, träumten wir von einem künftigen Leben ohne Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Militarismus.

Wir wollten, daß unsere unmenschlichen Erfahrungen eine Warnung für die Nachwelt sein würden.

Wir träumten von einem Leben in sozialer Gerechtigkeit, in Frieden und Freundschaft mit allen Völkern.

Wir träumten, daß nun für alle Zeiten unsere Kinder und Kindeskinder sich der Sonne, der Blumen, der Liebe erfreuen können, ohne in Angst vor Faschismus und Krieg leben zu müssen. Nach der Befreiung war es für uns, die Überlebenden, unvorstellbar, daß fast nichts von unseren Visionen und Hoffnungen in Erfüllung gehen würde.

Unfaßbar für uns, wie reibungslos sich der Übergang vom Nazireich in die Bundesrepublik vollzog. Daß ehemalige hohe Nazifunktionäre entscheidende Positionen in Regierung, Verwaltung, Wirtschaft, Justiz, Hochschulen, Medizin, im Geheimdienst und Militär einnahmen, und damit jahrzehntelang wesentlich das Klima der Politik und die prägenden Geburtsjahre dieser Republik bestimmten. Kriegsverbrecher, selten belangt und wenn, dann schonend behandelt, erhalten bis heute Opferrenten, während ganze Gruppen von Verfolgten des Naziregimes, u.a. ehemalige Zwangsarbeiter, immer noch ohne Entschädigung bleiben. Ganz zu schweigen von dem diskriminierenden Umgang mit Wehrmachtsdeserteuren die sich verweigerten, einem verbrecherischen Krieg zu dienen.

1945 war es für uns unvorstellbar, daß Ihr, die Nachgeborenen, erneut konfrontiert sein würdet mit Nazismus, Rassismus, einem wieder auflebenden Nationalismus und Militarismus. Und nun noch die ungeheure Massenarbeitslosigkeit, die immer größer werdende Kluft zwischen arm und reich, die katastrophale Zerstörung der Umwelt. Immer mehr junge Menschen leben in Zukunftsängsten.

Wir hoffen auf Euch. Auf eine Jugend, die das alles nicht stillschweigend hinnehmen wird! Wir bauen auf eine Jugend, die sich zu wehren weiß, die nicht kapituliert, die sich nicht dem Zeitgeist anpaßt, die ihm zu trotzen versteht, und deren Gerechtigkeitsempfinden nicht verloren gegangen ist.

Wir setzen auf eine Jugend, höllisch wachsam gegen alles, das wieder zu einer ähnlich braunen Barbarei führen könnte; eine Jugend, die nicht wegsieht, wo Unrecht geschieht, wo Menschenrechte verletzt werden; eine Jugend, die sich in die Tradition des antifaschistischen Widerstandes zu stellen vermag, eine Jugend, die diese Tradition aufnimmt und auf ihre eigene Art und Weise weiterführt. Wir glauben, daß dafür Eure Herzen brennen können, daß Euer Gewissen nicht ruhen wird.

Laßt Euch nicht wegnehmen, was Ihr noch an demokratischen und sozialen Errungenschaften vorfindet. Laßt sie nicht weiter abbauen! Von keinem Regierenden sind sie Euch geschenkt worden:

Es sind vor allem die Errungenschaften des antifaschistischen Widerstandes, der Niederringung des Nazifaschismus. Verteidigt, was Ihr noch habt, verteidigt es mit Klauen und Zähnen!

Es verlangt nur etwas Zivilcourage, nicht einmal besonderen Mut. Ihr riskiert nicht das Leben, nichts was dem antifaschistischen Widerstand vergleichbar wäre. Und vergeßt nicht: Der Internationalismus und die Solidarität mit den Benachteiligten und Ausgegrenzten sind unentbehrlich in diesem Kampf. Knüpft dieses Band immer fester, macht es unzerreißbar!

»Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel!«

Übernehmt Ihr nun diesen immer noch zu erfüllenden Auftrag: ein gesichertes menschenwürdiges Leben im friedlichen Nebeneinander mit den Völkern der Welt! Sorgt dafür, daß aus der Bundesrepublik ein dauerhaftes, antifaschistisches, humanes, freiheitliches Gemeinwesen wird, in dem einem Wiederaufflammen des Nazismus, nationalem Größenwahn und rassistischen Vorurteilen keinen Raum mehr gegeben wird.

Wir vertrauen auf die Jugend, wir bauen auf die Jugend, auf Euch!

Dieser Appell wurde aus Anlaß des 50-jährigen Bestehens der VVN-BdA verfaßt von:

 

Peter Gingold,

1916 in Aschaffenburg geboren, wurde 1933 verhaftet und musste nach mehreren Monaten Gefängnis nach Frankreich emigrieren. Dort war er in der Résistance, der französischen Widerstandsbewegung aktiv. Er wurde 1943 verhaftet und gefoltert. Haft und Folter konnten ihn nicht beugen.Durch eine List entkam er den Nazis. Er schloß sich erneut der Résistance an und half bei der Befreiung von Paris. Später in Italien ging er zu den Partisanen, um weiter gegen den Faschismus zu kämpfen. Er war Vizepräsident des Auschwitzkomitees in Deutschland und Bundessprecher der VVN - BdA. Nach der Befreiung lebte er wieder in Frankfurt und war in der kommunistischen und antifaschistischen Bewegung aktiv. Als Zeitzeuge sprach er vor tausenden Schulklassen und Jugendgruppen, auf Demonstrationen und Kundgebungen, wo er seine Erfahrungen auf sehr lebendige und eindringliche Art vermittelte. Peter Gingold starb am 29. Oktober 2006 in Frankfurt am Main.

 

 

 

Beide antifaschistische Persönlichkeiten waren auch im Ennepe-Ruhr-Kreis als Zeitzeugen zu Gast und sprachen vor Schulklassen und Jugendgruppen, auf Demonstrationen , Kundgebungen und Friedens-u.Antifa-Foren.

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Der rote Winkel mit einer Nummer auf der Häftlingsjacke war in den faschistischen Konzentrationslagern Kennzeichen für die politischen Häftlinge. Der rote Winkel ist heute das Symbol der VVN/BdA. Die gemeinsame Forderung nach der Befreiung am 8. Mai 1945 war und ist es noch heute:

Nie wieder Krieg!

Nie wieder Faschismus!

Die Zusammenarbeit aller Demokratinnen und Demokraten für Frieden und Völkerverständigung und der gemeinsame Kampf für Sicherung und Ausbau demokratischer und sozialer Grundrechte wurde als "antifaschistischer Konsens" die Basis für das Grundgesetz und die NRW-Landesverfassung und Ausgangspunkt einer demokratischen politischen Kultur. Der Kampf gegen die Rückkehr alter Nazis in politische und gesellschaftliche Schlüsselpositionen und der Kampf gegen eine Remilitarisierung der Bundesrepublik bildeten zudem die politischen Inhalte der VVN.

Die Geschichte der Bundesrepublik machte jedoch sehr schnell deutlich, dass dieses Ziel nicht kampflos zu erreichen ist. Auch über 63 Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg müssen wir uns gegen (neo-)faschistische Tendenzen und eine fortschreitende Militarisierung der Gesellschaft wenden.

Der Kampf gegen Intoleranz, Ausgrenzung, gegen Rassismus, Antisemitismus und Neofaschismus darf sich nicht in einem verbalen "Aufstand der Anständigen" beschränken, sondern bedarf des kontinuierlichen Engagements, auch wenn dies oft unbequem ist.

Wir wollen eine Welt des Friedens, eine Welt der sozialen Gerechtigkeit, humanistisch und demokratisch. Die VVN/BdA versteht sich als eine Bündnisorganisation die solidarisch und gleichberechtigt mit anderen gesellschaftlichen Gruppen - vor allem mit Gewerkschaften und mit der Friedensbewegung - zusammenarbeitet und offen für Menschen ist, die Lust haben, sich antifaschistisch zu engagieren.

Antifaschismus ist mehr als eine Gegenbewegung!

Dafür tun wir etwas:

Neonazis und Rassisten offensiv entgegentreten

Für Frieden und Völkerverständigung, d. h. sich gegen Krieg und Militarismus einsetzen.

Die Vergangenheit vor Ort dem Vergessen entreißen

Zivilcourage zeigen, nicht schweigen sondern einschreiten

Zeitzeugen und Autoren einladen, Geschichte erforschen

Antifaschistische Ziele lautstark formulieren, Verbot faschistischer Medien und Parteien fordern

Aktive Solidarität über mit MigrantInnen

Gemeinsam feiern, diskutieren und Freundschaft erleben

Mitdenken, mitreden, mitgestalten

Gemeinsame Aktionen, Demos Infostände

Fahrten zu Gedenkstätten und Konzentrationslagern

Alternative Stadtrundfahrten

Geschichte vor Ort entdecken und dokumentieren

Zeitzeugen befragen

Vergessenes und Verdrängtes ans Licht der Öffentlichkeit bringen

Lernen was NS-Terror, Rassismus, Antisemitismus und Krieg bewirkten

Sich einmischen in das politische Tagesgeschehen

Themen,wie:

gegen

für

Zielgruppen sind hierbei: Organisationen und Verbände aus dem gewerkschaftlichen,sozialen,friedenspolitischen und kirchlichen Bereich. Parteien im Rahmen des antifaschistischen Grundkonsens.Bündnisse,Runde Tische, Initiativen ,Schulen und Bildungsträger (z.B.VHS). Jugendorganisationen, wie Jugendringe,politische Jugend, Jugendinitiativen und ANTIFA-Gruppen.

Entschädigung der Opfer,
Nationalismus, Grundrechteabbau, staatlichen und gesellschaftlichen Rassismus,Sozialabbau, Militarismus und Krieg, Rassismus, Antisemitismus, Revisionismus, Revanchismus undMenschenrechte,internationale Solidarität, Frieden, Humanismus und demokratische Rechte, soziale Gerechtigkeit sind Bestandteil unserer antifaschistische Politik und Zukunftsentwürfe.

Desshalb, kommt zu unseren Treffen, unterstützt die Arbeit der VVN/BdA!

Wo findet Ihr uns? >  http://www.nrw.vvn-bda.de/ >        http://en.vvn-bda.de/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Dies kommt nicht von alleine !

Werde Mitglied der VVN-BdA!

Esther Bejarano,

 

1924 geboren in Saarlois/ Saarland. 1940 flüchtet die Familie vor den Nazis nach Breslau, wo Esther 1941 in das Zwangsarbeiterlager Neuendorf gebracht wurde, während ihre Eltern nach Riga (Litauen) deportiert und dort in einem Wald von der SS erschossen wurden. Am 20. April 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und musste zunächst in einem Arbeitskommando Steine schleppen. Später hatte sie die Möglichkeit, wegen ihrer musikalischen Fähigkeiten, im Mädchenorchester von Auschwitz zu spielen. Auf einem Todesmarsch konnte sie fliehen. Nach ihrer Befreiung wanderte sie im August 1945 nach "Erez Israel" (Palästina) aus und kehrte 1960 mit ihrer Familie nach Deutschland zurück wo sie sich seit langem in der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes e.V. und in dem von ihr gegründeten "Auschwitz-Komitee in der BRD e.V." als Vorsitzende engagiert. Heute tritt sie als Zeitzeugin auf und gibt Konzerte mit jiddischen Liedern. Am 6. Oktober 2008, wurde Esther Bejarano, Ehrenvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten, von Bundespräsident Horst Köhler im Berliner Schloss Bellevue, zusammen mit ihr auch Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma,mit dem Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geehrt

Reiht Euch auch ein in die Kampfgemeinschaft VVN-Bund der Antifaschisten, der organisierte Ausdruck des kollektiven Gedächtnisses an Widerstand und Verfolgung. Sie braucht Euch! In absehbarer Zeit wird es keine Zeitzeugen des schrecklichsten Abschnitts deutscher Geschichte mehr geben. Laßt das Vermächtnis des Widerstandes nicht in Vergessenheit versinken, den Schwur von Buchenwald: Schwur von Buchenwald

 

von Esther Bejarano und Peter Gingold

Appell an die Jugend



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